Game-Review: Diablo III

Zweifellos ein sehnlichst erwartetes Spiel in der gesamten Fangemeinde. Unzählige Male wurde der Release-Termin angekündigt und dann doch wieder verschoben. Schlussendlich dauerte es knapp 12 Jahre, bis die nächste Fortsetzung des Hack & Slay Vaters erschien und die Welt in den Bann zog.

Wir begeben uns also in eine Welt weit nach den Ereignissen aus dem vorherigen Teil und sehen, wie die Welt Sanctuario neu aufgebaut wird und in Machtkämpfen zwischen Clans und Bewohnern versinkt. Da kommt es gerade Recht, dass eine mächtige Waffe vom Himmel fällt…

Altes zu Neuem

Ja, ihr lest richtig. Das Tristram, das wir einst kennenlernten, existiert ja nun schon seit längerem nicht mehr. Die Menschen bauten sich also ein neues Tristram. Doch auch diese Stadt steht wohl unter keinem guten Stern. Schon bei unserer Ankunft werden wir von ein paar räudigen Untoten aufs Herzlichste begrüßt. Und in gewohnter Handlung zerstückelt man sie einfach mal schnell, um den Zutritt zur Stadt gewährt zu bekommen.

Diablo III Gameplay 6

Innerhalb der Stadt erwartet den Spieler jedoch ein recht neues Bild. NPCs und die persönliche Schatztruhe sind zwar vorhanden, aber es ist nun möglich auch Häuser zu betreten. Die ganze Stadt wirkt ein wenig lebendiger. Es ist nicht mehr nur das Nötigste, wie im vorangegangenen Teil, dass nur die NPCs vorhanden sind, die auch wirklich gebraucht werden. Hier haben Wachen, versch. Kaufleute und einige Stadtbewohner auch etwas zu sagen. Zwar bleibt die Dialogmöglichkeit aus, doch sind sie durchaus in der Lage etwas vor sich hin zu brabbeln. Hier schlägt auch wieder ein alter Bekannter auf, der scheinbar echt nichts anderes zu tun hat… Deckard Cain (und er redet so viel, wie eh und je). Dennoch muss man an der Stelle mal Loben, dass die Dialoge wesentlich besser und lebendiger gestaltet sind. Zwar ist es teils befremdlich mit einem NPC zu reden, während man mit dem Rücken zu ihm steht (Bugs versüßen einem zeitweise gerne mal das Spiel), dennoch gibt es ein paar mehr Emotionen, als nur die sture bisher bekannte Erzählweise. Eine weitere Neuerung ist der Schmied, der die Crafting-Option mit sich bringt. Es ist dem Spieler also möglich selbst seine Ausrüstung herzustellen (allerdings sollte man dazusagen, dass die Verteilung der Boni per Zufall erfolgt). Ganz neu ist auch ein Almanach, in dem man eine „Massen-Identifizierung“ seiner magischen Gegenstände durchführen kann – ja, das ist richtig: Deckard Cain ist in den Ruhestand gegangen.

Neu-Tristram

Aus dem Intro wissen wir, dass ein Stern vom Himmel fiel und dies dazu führte, dass nun wieder die Heerscharen des Bösen über das Land ziehen, um diese Macht des gefallenen Sterns für sich zu beanspruchen und zu nutzen. Zu Spielbeginn finden wir uns also mit dem ausgewählten Charakter in Sactuario wieder, knapp vor Neu-Tristram. Diablo III Gameplay 3Der Hauptmann der Wache lässt uns jedoch nicht in die Stadt, da die Angriffe der Untoten weiter anhalten. Und Unrecht hat er nicht, denn prompt werden wir von einer Horde dieser nervigen Kreaturen angegriffen. Mit deren Vernichtung, gestattet man uns jedoch die Stadt endlich zu betreten. Dort schickt man uns zunächst zum Wirtshaus, um dort nach Leah zu suchen, die einzige Überlebende des Einschlags. Diese berichtet uns, dass Deckard Cain beim Einschlag weit runter in die Kathedrale fiel. Sie schickt uns jedoch wieder zurück zum Hauptmann, um mit ihm abzuklären, was als nächstes zu tun ist. Dessen Aufgabe ist erstmal recht simpel: Vernichte die Scheußlichen Mütter! Und für einen Helden ist dies wahrlich keine schwere Aufgabe.

Das Interessante ist, dass die Karte durch die Verbindung zum Server jedes Mal neu generiert wird. Aus den Vorgängern ist man gewohnt, dass man immer ein und die Selbe Karte hat (wenn man nicht online spielt, oder durch die Akte wechselt). Aber durch die zwangsmäßige Internetanbindung, um Diablo III überhaupt spielen zu können (ja, wir alle wissen, dass man sich darüber streiten kann, ob das gut ist, oder nicht), wird die Karte jedes Mal beim Betreten der Welt neu generiert. Das eröffnet natürlich auch neue Möglichkeiten im Gameplay. So gibt es z.B. die Seiteninfos über die Welt von Sanctuario und Diablo und co. Diese Infos sind in kleinen Büchlein gesammelt, die hier und dort mal per Zufall liegen – und hier kommt die zufällig generierte Karte ins Spiel. So ist es bspw. nicht möglich in einem Spieldurchlauf (vorausgesetzt man spielt das wirklich am Stück durch) alle Sammelgegenstände zu erhalten – oder zumindest wenn nur mit unglaublich viel Glück.

Die Scheußliche Mutter finden wir übrigens in Alt-Tristram. Und wieder betreten wir die Stadt, in der alles begann… diese Nostalgie… da wird einem das Herz weich. Allerdings muss ich dazu sagen, dass die Stadt in diesem Teil wieder anders aussieht, als in den anderen Teilen (etwas befremdlich). Allerdings ist die Schmiede diesmal deutlich erkennbar. Diablo III Griswolds Schmiede 2Und als kleine Anlehnung daran befindet sich auch ein Waffenständer an der Seite der Schmiede. Nachdem diese Aufgabe erledigt ist, eröffnet sich ein neuer Weg. Diesem folgend erreichen wir etwas außerhalb von dem alten Tristram die Hütte der Hexe Adria (noch bekannt aus dem ersten Teil der Serie). Adria ist aber nicht mehr in ihrer Hütte zu finden – dafür aber ein Zugang zu einem geheimen Kellergewölbe. Dort gilt es nun einige Untote zu besiegen.

Das Gameplay

Das Spiel besteht, wie auch sein Vorgänger, wieder aus 4 Akten, die in verschiedenen Szenerien spielen. Der erste Akt spielt weitestgehend in Tristram und dessen Umgebung. Über die Akte hinweg trifft der Spieler immer mehr Charaktere, die ihn bis zum Ende des Spiels begleiten. Ebenfalls treffen wir hier auf die letzten beiden der 7 Übel, auch wenn dies lediglich die letzten beiden Niederen Übel sind: Azmodan, der Herr der Sünde und Belial, der Herr der Lügen.

Das Spiel selbst ist von der Grafik her etwas comiclastiger als seine Vorgänger, was es allerdings keineswegs schlechter macht. Durch die nun zur Verfügung stehende Farbpalette ist die Darstellung der Umgebung wesentlich atmosphärischer, als es vorher war. Klar waren Diablo und Diablo II (LoD) daran gebunden, dass die Auflösung damals bei weitem nicht so hoch war, wie heute. Doch auch im Vergleich zu anderen Spielen, die immer mehr auf realitätsnahe Grafik setzen, ist hier dieser Stil (gerade aufgrund dessen, das es sich ja um ein Fantasy RPG handelt) wesentlich eher angebracht, als realistische Grafik.

Ebenfalls gelungen sind die nun durchaus wesentlich spektakuläreren Animationen bei Angriffen und Fähigkeiten. Die Farbpalette ist hierbei an die Charakterklasse angepasst. So hat bspw. der Mönch eine wesentlich hellere Farbpalette für seine Fähigkeiten, als die Dämonenjägerin und der Zauberer mit seinen arkan schimmernden Effekten.

Ansonsten bleibt alles soweit beim Alten… nein, eigentlich nicht. Der Spieler hat nun Fertigkeiten zur Auswahl, die er einsetzen kann, die in der Skillbar unten auf die Kurzwahltasten gelegt werden können. Auch die linke und die rechte Maustaste sind nun belegbar. Das bildet somit einen wesentlichen Unterschied zu seinen Vorgängern. Weiterhin gibt es nun kein Mana mehr, sondern jeweilig klassenspezifische „Energien“, die sich jeweils entweder von alleine wieder aufladen, oder durch Angriffe und Fähigkeiten aufgeladen werden. Die Skill-Trees haben sich pro Charakterklasse auch maßgeblich verändert. Einige Fertigkeiten wurden aus den alten Teilen mit reingenommen, andere Fertigkeiten sind komplett neu – was jetzt nicht unbedingt schlecht ist. Diablo III FertigkeitenWeiterhin ist es neu, dass man die Fertigkeiten nicht mehr leveln muss, denn man bekommt bei Aufstiegen neue Fertigkeiten und Verstärkungen dieser dazu, ohne dies beeinflussen zu können. Aber wie auch in den alten Teilen, sind die Fähigkeiten alle in bestimme Zugehörigkeiten unterteilt. In der Standardeinstellung des Interfaces ist dies auch in der Skillbar wiederzufinden, so kann nämlich regulär nur ein Skill pro Bereich ausgewählt und im Krampf verwendet werden. Allerdings lässt sich diese Eigenschaft in den Einstellungen abschalten, sodass die Skillbar freiwählbar mit allen Fähigkeiten belegbar ist, die das Herz begehrt.

Charakterklassen

Natürlich darf das in Diablo III nicht fehlen. Wir haben hier wieder einige bekannte Charakterklassen wie den Barbaren oder den Zauberer vertreten. Allerdings hat Blizzard auch ein paar neue Klassen wie den Dämonenjäger reingebracht. Hier einmal alle Klassen in der Übersicht:

Barbar:

Unzivilisiert und jeden Nahkampf provozierend ist der Barbar mit seinen beidhändigen Waffenschwüngen immer an vorderster Front als wahre Kriegsmaschine, um seine Gegner zu vernichten. Dank ihrer Größe und Stärke beherrschen sie nahezu jede Waffe, wobei sie jedoch mächtige und eindrucksvolle Waffen bevorzugen.Da sie aus den Schmerzen des Kampfes ihre Kraft schöpfen, schneiden sie meist besser ab, wenn sie ganzen Horden gegenüberstehen, als einzelnen Feinden.Seine Fähigkeiten:

  • Verteidigung
  • Macht
  • Taktik
  • Wut

Dämonenjägerin:

(neu)

Aus eigenem Leid heraus erhoben sich die Dämonenjäger mit der selbst auferlegten Aufgabe andere Menschen zu schützen und mit ihrem großen Arsenal an Schusswaffen die Horden der Unterwelt zu vernichten. Sie verlassen sich auf tödliche Fallen und Geschosse und greifen ihre Feinde aus der Deckung heraus mit Bögen und Armbrüsten an. Gefürchtet sind sie von Gegnermassen, sowie im Kampf gegen einzelne Gegner, denen sie mit kritischen Treffern enormen Schaden zufügen können.Ihre Fähigkeiten:

  • Verteidigung
  • Jagd
  • Gerätschaften
  • Bogenschießen

Hexendoktor:

(neu)

Hexendoktoren sind spirituelle Kämpfer. Sie rufen kriechende Wesen und tote Seelen herbei, die ihnen dienen. Mit Zombies und grässlichem Ungeziefer schaffen sie sich genug Abstand zum Feind, um ihn aus der Ferne heraus Flüche und ätzende Giftwolken entgegenzuschleudern.Durch ihre lähmenden Flüche und die Fähigkeit Gegnern Furcht einzuflößen, sollte man sie nicht unterschätzen. Ist ein Feind erst einmal geschwächt, so scheut er sich nicht, auch selbst Hand anzulegen.Seine Fähigkeiten:

  • Verteidigung
  • Terror
  • Verfall
  • Voodoo

Mönch:

(neu)

Mönche sind die neuen heiligen Krieger. Sie können ihre Macht mittels reiner Willenskraft kanalisieren und dadurch Heilzauber, Schutzmantras und durch göttliche Macht verstärkte Angriffe nutzen, um ihre Feinde zu Staub zu zermalmen. Ganz ihrem Vorbild nutzen auch sie Nahkampftechniken oder Stäbe. Stets leichtfüßig versuchen sie jedoch einen langanhaltenden Schlagabtausch zu vermeiden und greifen vorrangig einzelne Gegner an, die sie jedoch effizient ausschalten.Seine Fähigkeiten:

  • Verteidigung
  • Techniken
  • Fokus
  • Mantras

Zaubererin:

Altbekannt sind Zauberer Magieanwender, die ihre Körper als Medium für arkane Energie nutzen. Sie herrschen über die Elemente und kontrollieren Licht und Zeit. Mit dieser Macht ist es ihnen möglich sich zu teleportieren oder mächtige Illusionen ihres Selbst zu erschaffen und damit Angriffe abzuwehren. Ihre höchste Kunst ist die Erschaffung eines schwarzen Lochs, in welches ihre Feinde hineingezogen werden.Ihre Fähigkeiten:

  • Verteidigung
  • Macht
  • Beschwörung
  • Beherrschung

Begleiter

Und auch in diesem Teil muss man sich nicht alleine gegen die Horden der Unterwelt behaupten. Der Spieler kann jederzeit zwischen seinen möglichen Begleiter-NPCs wechseln. Neu ist allerdings, dass die Begleiter mit wesentlich mehr Ausrüstung und sogar Fertigkeiten ausgestattet werden können. Besonderes Detail ist hier, dass jeder Begleiter eine eigene Hintergrundgeschichte hat.

Der Templer: Kormac ist die Nahkampfklasse der Begleiter. Mit Speer und Schild ausgerüstet wirft er sich gegen die Horden des Bösen. Seine Fertigkeiten sind jedoch auch durchaus von Nutzen – so ist es ihm bspw. möglich die Aufmerksamkeit der Feinde auf sich zu ziehen, wenn der Spieler in Schwierigkeiten ist.

Der Schuft: Lyndon ist der Fernkämpfer und hinterhältige Begleiter. Mit seiner Armbrust vergiftet er die Feinde und schwächt sie, sodass sie zu einer leichten Beute für den Spieler werden. Wird die Situation jedoch zu heikel, ist er der Erste, der sich aus dem Staub macht, was nicht gerade für Verlässlichkeit spricht.

Die Verzauberin: Eirena ist die Zaubererklasse. Man sollte sich von ihrem jugendlichen Aussehen nicht täuschen lassen, denn in Wahrheit ist sie bereits einige Jahrhunderte alt (sie hat sich wirklich gut gehalten… Anti-Age Creme?!). Neben schützender und unterstützender Magie ist sie jedoch auch fähig, sich aktiv am Kampf zu beteiligen und dem Feind beachtlichen Schaden zuzufügen.

Und dem nicht genug, hat Blizzard auch hier noch ein nettes Detail eingebaut. Die Begleiter interagieren mit dem Charakter des Spielers – also zumindest im Dialog. Während der Reise entstehen immer wieder Konversationen über den Feind, die Umgebung, die Vergangenheit oder den aktuellen Gefühlszustand des Begleiters. Weiterhin agieren sie auch mit anderen NPCs wie Tyrael. Und jeder Charakter hat wirklich andere Dialoge – somit auch männliche und weibliche Charaktere.

Fazit

Diablo III ist von der Story her ein wirklich gelungener Nachfolger. Die Reihe wird hier erstklassig fortgesetzt und die Atmosphäre ist stimmiger denn je. Die einzelnen Dialoge wirken nun wesentlich besser und man kann als Spieler eine gewisse Sympathie zu den NPC-Charakteren aufbauen. Die Grafik sagt mir persönlich wirklich mehr zu, als die aus Diablo und Diablo II – der comicstil passt einfach besser.

Das einzige, was mich ein wenig enttäuscht hat, war das Skill-System. Im Grunde kann der Spieler jetzt nichts mehr selbst skillen – weder Fertigkeiten, noch Status. Die Fertigkeiten werden im Laufe der Zeit durch die Level-Ups freigeschaltet und der Statusbildschirm wird durch die Ausrüstung und die Edelsteine bestimmt, die man in die Ausrüstung sockeln kann.

Dennoch muss ich rundum sagen, dass ich Diablo III für absolut gelungen halte. Blizzard hat sich hier wirklich viel Mühe gegeben auf die Story einzugehen und mit viel Liebe zum Detail gearbeitet.

Entwickler: Blizzard Entertainment
Publisher: Activision Blizzard
Genre: Hack’n Slay
Erscheinungsjahr: 2012
Spielmodus: Singleplayer / Multiplayer
Platformen: PC, Playstation 3, Playstation 4, Xbox One, Xbox 360

Flo

About Flo

Mittlerweile schon die 20 Jahre überschritten, schlage ich mich so durch zwischen Arbeit, Sport und Games. Und nebenbei kommen dann hier noch ein paar Beiträge zustande - vorwiegend jedoch im Bereich Games. Nebenbei bin ich noch mit auf unserem Youtube-Channel tätig - wenn es die Zeit denn zulässt.

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