Game-Review: Diablo II

Weitaus bekannter als sein Vorgänger Diablo, ist Diablo II – der zweite Teil der Reihe. Die Fortsetzung des Hack’n Slay Vaters spielt erneut in der Welt von Sanctuario und spielt wenige Jahre nach dem ersten Teil. Durch die Cut-Scene am Ende des ersten Teils wissen wir, dass der Held, sich den Seelenstein schließlich selbst in den Kopf rammte.

Sanktuario steht also mal wieder am Abgrund. Zwar schaffte es wohl der Rat der Horadrim den ehemaligen Helden, alias neuer Diablo mit Seelenstein zwischen den Denkerfalten, zu versiegeln, doch dunkle Mächte versuchen nun erneut das Böse wieder in der Welt zu entfesseln. Aus dem Intro wissen wir, dass ein Mann namens Marcus in die Sache involviert ist, genauso wie ein überaus seriös wirkender dunkler Wanderer.

Das Lager der Jägerinnen

Wir befinden uns nun also ein paar Jahre nach den Ereignissen im Lager der Jägerinnen in der nähe des Klosters, wieder. Akara, die Hohepriesterin, schildert mal eben die Sachlage und erzählt, dass die Jägerinnen aus dem Kloster vertrieben wurden, als das Böse über sie kam. Und kaum hat sie ihre kleine Geschichte beendet, wirft sie uns auch schon die erste Aufgabe an den Kopf. Ist ja echt klasse… nach einer langen Reise quer durch die Lande, um vor dem Bösen zu entkommen, bekommt man sofort den Auftrag, dass man – wenn man denn schon mal so in der Gegend ist – doch direkt mal alle Monster in einer echt abscheulichen Höhle zu vernichten.

Kaum ist diese Aufgabe erledigt, sollen wir uns auf den Friedhof begeben und dort eine ehemalige Jägerin erledigen, die nun unter dem Einfluss des Bösen steht („Da ist Böööööööööses im Busch!“). Also, genug zu tun, bevor wir irgendwann mal in Rente gehen.

Nachdem wir also diverse Aufgaben erledigt haben, führt unser Weg auch noch einmal in die Vergangenheit – oder zumindest zu dem, was davon noch übrig ist: Tristram. Dort retten wir einen alten Freund. Ich persönlich finde es aber irgendwo schade, dass hier nicht mehr auf das Layout der alten Stadt aus dem ersten Teil eingegangen worden ist. Natürlich gibt es noch einige markante Punkte, aber viele Dinge fehlen auch, die im ersten Teil der Reihe mehr als ein Mal für Spaß sorgten.

Der Weg führt weiter bis hin zum Kloster, aus welchem die Jägerinnen flohen, als die Streitkräfte der Dunkelheit sie überrannten. Dort wartet schon eines der „kleineren Übel“: Andariel (eine etwas ungemütliche Zeitgenossin). Nach ihrer Vernichtung ist die Route nach Osten wieder frei (mir fällt dabei gerade erst auf, dass also auch im Spiel im Osten eine großer Mauer steht… hmm… ein Wink mit dem Zaunpfahl?).

Lut Gholein

Das Wüstenstädtchen ist Handels- und Ankerpunkt für Seeleute. Doch auch hier zog der überaus seriöse Staubsaugervertreter mit Marcus durch und hinterließ nur Chaos und Zerstörung. Die Szenerie erinnert ein wenig an den fernen Orient. Die Bauart des Palastes und die Karten (die zufälligerweise noch „Harem“ heißen), sowie die Kleidung der Charaktere, sind stark an die Kultur angelehnt. Auch hier müssen wir uns zunächst beweisen, indem wir einen kleinen Anführer dem Erdboden gleich machen. Doch in dieser Gegend wartet noch mehr: Die Artefakte der Horadrim.

Diese gilt es vorrangig zu finden, um das Böse aufzuhalten. Doch der Orden hat sie voneinander getrennt in tiefen Krypten und Verliesen aufbewahrt, die nun über und über von Monstern belagert werden. Nebenbei erlangen wir noch das Vertrauen der Bevölkerung und

bekommen Zugang zu einer geheimem Zuflucht, die jenseits von Raum und Zeit liegt.

Der Dschungel – Docks von Kurast

Ein recht ärmliches Städtchen, zusammengeflickt aus diversen Resten, die man fand, bildet Kurast den Ankerpunkt für den 3. Akt. Es wird recht schnell deutlich, dass es in diesem Gebiet überall Tempel gibt. Und auch hier gilt es wieder ein paar Artefakte zu finden – wenn auch diesmal etwas… ekliger. Khalim, der letzte des hohen Rates, ließ sein Auge, Hirn und Herz im Dschungel verteilen. Unsere Aufgabe ist es nun, diese Teile wieder zusammen zu tragen und zu verbinden, damit sich uns der Zugang in den letzten Tempel öffnet, der das Portal in die Höhle verwahrt. Doch auch hier erwartet uns ein unfreundlicher Geselle – und diesmal ist dies niemand geringeres, als Mephisto persönlich, eines der 5 großen Übel. Um das Tor zu erreichen, muss Mephisto vernichtet werden.

Als kleine Anmerkung nebenbei: Dieser ist der absolute Hass-Akt jedes Spielers. Falls ihr mal in den Genuss kommt, Akt 3 zu testen, werdet ihr das recht schnell nachvollziehen können.

Die Festung des Wahnsinns

Die letzte Bastion vor der Hölle und ihren Schergen. Hier treffen wir auch erstmals auf einen Engel namens „Tyrael“, der die Geschichte schon seit einer Weile verfolgt und über den Staubsaugermann bescheid weiß. Von hier aus gelangen wir immer weiter hinab, überqueren den Flammenfluss und kommen der Hölle immer näher. Auf dem Weg gibt es einige Wächter und Dämonen auszuschalten, und in der Höllenschmiede selbst vernichten wir Mephistos Seelenstein, um ihn ein für alle Mal aus der Welt zu verbannen. Und ja, Akt 4 ist der kürzeste Akt. Dafür allerdings auch der üblere, was die Monstermassen angeht. Also seid gewarnt: Der Kindergeburtstag ist vorbei!

Die Charakterklassen

Wie in jedem Rollenspiel dürfen auch hier verschiedene Charakterklassen nicht fehlen, die alle verschiedene Fertigkeiten, Stärken und Schwächen haben. Einige Spieler haben es sogar geschafft, die Schwächen einer Charakterklasse in ihre Stärken zu wandeln.

Amazone: Diese Charakterklasse ist geübt im Umgang mit Pfeil und Bogen, schreckt jedoch nicht davor zurück, auch Speer- und Wurfspeer-Waffen zu nutzen, oder von einem Bogen auch mal auf eine Armbrust umzusteigen. Durch verschiedene Zauber macht die Amazone ihre Waffen wirkungsvoller. Von Eispfeilen bis zu vergifteten Speeren ist alles dabei. Und in ihrer Meisterschaft beherrscht sie es sogar ein Abbild ihrer Selbst herbei zu beschwören, welches Seite an Seite mit ihr in den Kampf zieht.

Totenbeschwörer: Leichen und Überreste sind seine Spezialität. Neben Skeletten und Untoten, die er für sich Kämpfen lassen kann, scheut er sich jedoch nicht davor, auch selbst in den Kampf zu ziehen. Mit mächtigen Zaubersprüchen, Knochenmagie und Flüchen vernichtet er seine Feinde nicht sofort, sondern lässt sie qualvoll über die Zeit hinweg dahinscheiden. Doch die dunkle Magie ist nicht das einzige, was ihm liegt. Auch kann er selbst kämpfen und seinen Feinden mit Gift und widerlichen Verzauberungen der Waffen schwer zusetzen.

Barbar: Der Barbar hat keine Ahnung von Magie und Flüchen. Und das ist auch gut so, denn er kommt auch wunderbar ohne diese lästigen Hilfen zurecht. Dieser Charakter glänzt nämlich allein durch seine unglaubliche Stärke. Er trägt die dicksten Rüstungen und die schwersten Waffen und richtet damit trotzdem immer noch verheerenden Schaden bei seinen Feinden an. Sollte er dennoch wider Erwarten an seine Grenzen stoßen, kennt er eine Vielzahl von Kampftechniken und kleinen Verzauberungen für seine Waffen. Und er ist wahrlich der Waffenspezialist, denn es gibt keine Waffe, die der Barbar nicht meistern kann.

Zauberin: Die Herrscherin über die Elemente. Wer ihr zu nah kommt, sollte sich besser warm anziehen, oder direkt verschwinden. Feuer-, Eis- und Blitzmagie dienen ihr, um ihre Feinde in Grund und Boden zu stampfen. Und dem noch nicht genug, kann sie sich sogar zeitweise kleine elementare Helfer herbeirufen, die ihr im Kampf zur Seite stehen. Zwar trägt sie die dünnste Rüstung und ist auch so nicht sonderlich stark, doch weiß sie sich zu helfen. Ihre magischen Rüstungen und Verteidigungen sind genauso gut, wie ein dicker Panzer.

Paladin: Ein heiliger Mann und ein Krieger. Zwar beherrscht er nicht so viele Waffen, wie ein Barbar, doch steht ihm die göttliche Kraft zur Seite. Mit Hilfe seiner Auren, kann er seine Feinde schon schwächen, weit bevor sie ihm überhaupt zu nah kommen können. Mit seinen Kampftechniken kann er sich weitere Waffen herbeizaubern, um seine Feinde zu vernichten. Doch der Paladin kann nicht nur vernichten und Schaden anrichten, sondern auch seinen Verbündeten helfen. Seine Auren können heilen oder sogar die Angriffe seiner Freunde um Welten verstärken.

Fazit

Diablo II ist ein sehr gelungener Nachfolger und reiht sich erstklassig hinter seinem Vorgänger ein. Die Szenerie ist zwar schlussendlich innerhalb der Akte jeweils recht ähnlich, doch finde ich persönlich es sehr gut, dass Side-Kicks aus dem ersten Teil hier wieder Verwendung finden – so reist der Charakter zwischenzeitlich nach Tristram, um dort etwas zu erledigen. Das Skill-System und der Fertigkeitenbaum ermöglichen es dem Spieler jeden Charakter individuell zu gestalten und so auch eine Vielzahl an Charakterentwicklungen zu testen und zu studieren. Sofern man nicht zu der Art von Spielern gehört, die das Spiel so schnell wie möglich durchspielen wollen, ist auch die Story recht breit ausgestattet. Blizzard hat sich für jeden Charakter, dem man im Spiel begegnet diverse Dialoge einfallen lassen (in Deckard Cain’s Fall jedoch nach wie vor ellenlange Monologe, die nach wie vor dazu einladen erstmal einen Kaffee kochen zu gehen, bis er fertig ist).

Etwas kritisch betrachte ich dagegen die Auflösung, die max. 640 x 480 Pixel (Minecraft ist dagegen noch HD!). Weiterhin gibt es diverse bekannte Bugs und Glitches, die leider nicht behoben sind (auch heute nicht).

Dennoch bleibt mir am Ende zu sagen: Ja, ich habe Diablo II echt arg lange gespielt. Und ja, ich finde dieses Spiel gehört auch heute noch in jedes Spieleregal, denn auf einer LAN-Party (für die Generation, die nur das Internet kennt: Früher gab es sowas wie DSL noch nicht. Wir hatten alle noch Holzmodems, die man mit einem Hamsterrad betrieben hatte – folglich traf man sich in größeren Gruppen, mit PC im Schlepptau und erstellte sein eigenes Netzwerk, um dort mit anderen zu spielen) macht es immer noch unglaublich viel Spaß.

Entwickler: Blizzard North
Publisher: Blizzard Entertainment
Genre: Hack’n Slay
Erscheinungsjahr: 2000
Spielmodus: Singleplayer / Multiplayer
Platformen: PC
Flo

About Flo

Mittlerweile schon die 20 Jahre überschritten, schlage ich mich so durch zwischen Arbeit, Sport und Games. Und nebenbei kommen dann hier noch ein paar Beiträge zustande - vorwiegend jedoch im Bereich Games. Nebenbei bin ich noch mit auf unserem Youtube-Channel tätig - wenn es die Zeit denn zulässt.

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